Wie wirkt Alkohol?

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Viele Menschen trinken Alkohol, weil sie psychische Probleme dann besser ertragen können, z.B. um Gefühle der Niedergeschlagenheit, Angst oder Wut zu dämpfen. Dieser angenehme Effekt führt dazu, dass man immer wieder zu Alkohol greift, aber hilft er auch?
 

Alkohol und depressive Störungen


Alkohol betäubt – auch Gefühle. Man empfindet die Traurigkeit nicht mehr so stark; die Einsamkeit bedrückt einen nicht mehr so sehr; die leeren Stunden scheinen schneller zu vergehen; Ärger lässt sich leichter wegschieben. Wenn Sie Alkohol trinken, verschafft er Ihnen Erleichterung: Sie werden ein bisschen gleichgültiger. Langfristig hilft Ihnen das aber nicht. Sobald die Wirkung des Alkohols nachlässt, kehren die unangenehmen Gefühle zurück. 
Unangenehme Gefühle „wegzutrinken“ ist also keine Lösung. Im Gegenteil, auf die Dauer werden negative Gefühle durch Alkohol eher verstärkt oder sogar verursacht! 
Es ist bekannt, dass Alkohol Depressionen auslösen kann. Wenn Sie aufhören, Alkohol zu trinken, verschwinden diese Depressionen wieder.
Nur bei einer kleinen Gruppe von Menschen bleiben depressive Störungen bestehen, nachdem sie ein paar Wochen keinen Alkohol mehr getrunken haben. In diesem Fall ist eine Therapie mit Medikamenten möglich. Eine Depression kann dagegen nicht effektiv behandelt werden, solange jemand weiter Alkohol trinkt.
Wenn Sie aufhören, Alkohol zu trinken, werden Sie merken, dass Sie sich für positive Dinge wieder öffnen.
Und letztendlich gehören negative Gefühle zum Leben dazu: ein schlechter Tag, Ärger, schlechte Nachrichten, wenig Energie, das Gefühl, allein zu sein. Sie werden merken, dass es Ihnen ohne Alkohol leichter fällt, diese Dinge zu überwinden, sie zu relativieren und wieder Mut zu fassen, positive Erfahrungen zu suchen.


Alkohol und Angst


Das Gefühl der Angst hat eine Funktion. Es ist die natürliche Reaktion auf eine bedrohliche Situation; es sorgt dafür, dass Sie auf der Hut sind und beschützt Sie. Manchmal wird die Angst allerdings übermächtig und beherrscht Ihr Leben. Sie wagen sich beispielsweise nicht mehr vor die Tür oder haben Angst einzuschlafen.
Alkohol ist für Sie möglicherweise zu einem Hilfsmittel im Umgang mit der Angst geworden. Wenn Sie Alkohol getrunken haben, trauen Sie sich vielleicht mehr zu; das ängstliche Gefühl wird gedämpft. Der Alkohol hilft vorübergehend, das Symptom zu bekämpfen. Aber er löst natürlich keine Probleme. Und auf die Dauer brauchen Sie immer mehr Alkohol, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.
Wenn Sie regelmäßig und viel Alkohol trinken, macht Sie das labil und letztendlich werden Sie immer ängstlicher. Die Ursache Ihrer Angst wird durch Alkohol nicht behoben.
Wenn Sie wirklich etwas verändern und mit Ihrer Angst umgehen lernen wollen, dann steht Alkohol Ihnen dabei im Weg. Sie können lernen, sich immer mehr zu trauen, ohne dazu Alkohol zu brauchen. Sie werden merken, dass Sie lernen können, Ihre Angst schrittweise zu überwinden. Und jeder erlangte Schritt gibt Ihnen wieder neuen Mut für den nächsten. Das können Sie allein oder mit der Unterstützung anderer Menschen aus Ihrem Umfeld versuchen. Wenn Sie es wünschen, können Sie dafür auch professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.


Alkohol und Psychose


Psychotisch bedeutet eigentlich „verwirrt“; wir sprechen von einer Psychose, wenn jemand den Kontakt zur Realität verliert. Der Betroffene halluziniert, sieht oder hört Dinge, die andere nicht wahrnehmen. Hinzu kommt ein Gefühl der Bedrohung oder Angst. Das Denken ist gestört und bekommt häufig argwöhnische Züge: Wahnideen über Verschwörungen, Verfolgung, Abhörpraktiken oder die Beeinflussung des Gehirns.
Wer unter psychotischen Symptomen leidet (oder gelitten hat), sollte keinen Alkohol zu sich nehmen. Die Wirkung von Alkohol ist unvorhersehbar und kann eine Psychose auslösen.
Manchmal ist uns die dämpfende Wirkung von Alkohol willkommen; in anderen Fällen wirkt er jedoch enthemmend und erhöht das Unfallrisiko.
Alkohol kann Verwirrung auslösen. Wir sprechen von einer Alkoholpsychose, wenn jemand so viel getrunken hat, dass psychotische Symptome auftreten.
Andererseits kann es passieren, dass Verwirrung gerade dann eintritt, wenn jemand nach einer Phase übermäßigen Alkoholkonsums aufhört zu trinken. Die betreffende Person wird unruhig, sieht Dinge, die nicht da sind (zum Beispiel die bekannten „weißen Mäuse“) oder nestelt an Kleidung und Decken.
Eine Psychose ist ein lebensbedrohliches Krankheitsbild, bei dem immer medizinische Hilfe eingeschaltet werden muss!


Alkohol und Aggressionen


Alkohol wirkt enthemmend. Wir haben bestimmte Wege entwickelt, wie wir unser Verhalten unter Kontrolle halten, aber unter Einfluss von Alkohol funktionieren sie nicht mehr. Der Konsum von Alkohol kann zu Aggressionsausbrüchen führen. In vielen Fällen von häuslicher Gewalt spielt Alkohol eine Rolle. Auch Menschen, die „sinnlos“ Gewalt ausüben, stehen häufig unter Alkoholeinfluss.
Alkohol erhöht die Reizbarkeit. Kleine Irritationen können zu heftigen Ausbrüchen führen. Die Fähigkeit zu relativieren und etwas hinzunehmen geht zurück.
Für Ihre Umgebung wird Ihr Verhalten immer unvorhersehbarer, man distanziert sich von Ihnen.
Wenn Sie merken, dass Sie Ihre Aggressionen nicht mehr beherrschen können, nachdem Sie Alkohol getrunken haben, kann dies ein guter Grund sein, Ihre Trinkgewohnheiten zu verändern. Nicht nur für Sie selbst, sondern auch für die Menschen in Ihrem Umfeld.


Alkohol und Schlaf


„Wenn Du nicht schlafen kannst, trink doch einen Schnaps vor dem Schlafengehen.“
Alkohol scheint als Schlafmittel gut zu wirken. Der Nachteil ist, dass Sie immer mehr brauchen, um denselben Effekt zu erzielen. Aus dem einen Glas werden mit der Zeit wahrscheinlich mehrere.
Alkohol verhindert einen gesunden Schlaf. Die Verarbeitungsprozesse, die nachts im Gehirn stattfinden, funktionieren schlechter, wenn Sie Alkohol getrunken haben.
Aufwachen und Aufstehen sind selbstverständlich angenehmer, wenn Sie ohne Alkoholeinfluss geschlafen haben. Wenn Sie es gewohnt sind, vor dem Schlafengehen Alkohol zu trinken, werden Sie merken, dass es tatsächlich schwieriger ist, nüchtern einzuschlafen. Machen Sie sich klar, dass Ihr Körper Zeit braucht, um wieder auf ein gesundes Schlafmuster umzuschalten, wenn Sie damit aufhören, vor dem Einschlafen Alkohol zu trinken.
Außerdem gibt es auch bei einem gesunden Schlafmuster individuelle Unterschiede. Manche Menschen liegen immer noch eine Stunde wach, bevor sie einschlafen, andere haben zum Beispiel einen leichten Schlaf und wachen bei  nächtlichen Geräuschen auf.
Wenn Sie schlecht schlafen, kann es Ihnen helfen, Entspannungsübungen zu erlernen. In vielen Städten werden Schlafseminare (z.B. Feldenkrais) angeboten. Darüber können Sie sich bei Ihrem Hausarzt informieren.


Einschlaftipps


Hier einige Tipps, um besser einzuschlafen:

 

  • Achten Sie darauf, sich den Tag nicht zu voll zu packen; d.h. vermeiden Sie, sich zuviel aufzuladen und an zu viele Dinge gleichzeitig denken zu müssen. Denn sonst ist es keine Wunder, wenn die Gedanken abends im Bett nicht zur Ruhe kommen. Bauen Sie Ruhephasen in den Tag ein, in denen Sie eine Weile nichts tun und Zeit zum Nachdenken haben.
  • Trinken Sie ein Glas warme Milch, bevor Sie zu Bett gehen.
  • Trinken Sie abends keinen Kaffee. Manche Menschen reagieren auf die anregende Wirkung von Koffein sehr empfindlich und sollten am besten überhaupt keinen koffeinhaltigen Kaffee trinken oder zumindest nur bis ca. 12.00 Uhr mittags.
  • Essen Sie keine schweren Mahlzeiten kurz bevor Sie schlafen gehen.
  • Legen Sie vor dem Schlafengehen eine Ruhephase ein. Hören Sie ruhige Musik, lesen Sie ein Buch oder machen Sie einen kurzen Spaziergang.
  • Machen Sie Entspannungsübungen
  • Machen Sie keine aufregenden (Computer-)Spiele kurz vor dem Schlafengehen.
  • Zärtlichkeiten und Sex können eine entspannende Wirkung haben.
  • Achten Sie auf einen regelmäßigen Rhythmus; gehen Sie so oft wie möglich zur selben Zeit ins Bett. 
  • Sport fördert ein gesundes Schlafmuster.
  • Benutzen Sie die Nacht nicht zum Nachdenken, seien Sie diesbezüglich streng mit sich selbst. Konzentrieren Sie sich anstatt dessen auf entspannende Dinge oder lassen Sie das Denken ganz los.
  • Sie sollten tagsüber keinen Schlaf nachholen und früh aufstehen. Halten Sie, auch nach einer schlechten Nacht, einen festen Rhythmus ein.
  • Schlafmittel machen stark abhängig, sie sollten nur in Notsituationen genommen werden und auch dann nur für kurze Zeit.
  • Weitere Informationen finden Sie im Internet unter „Schlafstörungen“ oder „Entspannungsübungen“. 

Alkohol und Vitamin B1


Für gewöhnlich führen wir dem Körper über die Nahrung genügend Vitamine zu. Dies gilt auch für Vitamin B1; aber bei übermäßigem Alkoholkonsum steigt der Bedarf an diesem Vitamin.
Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Aufnahme von Vitamin B1 durch den Körper auch bei mäßigem Alkoholkonsum bereits stark abnimmt. Hierdurch können Beschwerden, vor allem Gedächtnisstörungen, entstehen. Um dies zu verhindern, empfehlen wir Ihnen in über die ergänzende Einnahme von Vitaminen mit Ihrem Hausarzt zu sprechen.
 

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